Der Schluchtensteig (3): Der Zeuge der Eiszeit

Irgendwie haben wir kein so rechtes Glück auf dem Schluchtensteig durch den Naturpark Südschwarzwald: Schon als wir morgens den „Hirschen“ in Fischbach verlassen, müssen wir Regenkleidung anziehen. Wir trauen dem Wetter einfach (nicht) mehr. Und nehmen uns erstmal vor, nur bis zum Schluchsee zu laufen.
Die zackige Steigung stört uns da weniger als die dunklen Wolken am Himmel. Aber was soll’s: Die Wiesen stehen schon im saftigen Grün, die Sumpfdotterblumen sorgen für eine Fülle gelber Farbtupfer, die Vögel singen am Samstag vor Pfingsten, dass einem das Herz aufgeht! So kann man allen Unbillen des Wetters zum Trotz munter voranschreiten!

Wie wohl heute das Wetter wird?

Zumal der Mischwald im Mai mit all seinen Grün-Schattierungen (wieviel das genau sind, kann man gar nicht zählen) die Seele labt.

An einer Bank auf der Höhe des Bildstein sollen wir dann eigentlich den Blick auf den Schluchsee genießen können. Wenn wir es könnten! Wir aber blicken nur auf eine Nebelwand! Zunächst ärgerlich, aber dann eigentlich nicht schlimm, denn das schärft den Blick für den riesigen Findling aus Granit, der in der jüngsten Eiszeit vom Feldberg hierher getragen wurde. Und so können wir trotz des diesigen Wetters einen Blick in die Erdgeschichte werfen – fast 400 Millionen Jahre zurück. 

Ein Oldie vor dem anderen: Vorne der Wanderer 64), hinten der Findling (400 Millionen).

Wesentlich kürzer zurück liegt die Zeit, als in den Wäldern des heutigen Ländles noch Wolf und Luchs hausten. Daran (und an die Chancen für deren Wiederkehr und die heißen Debatten um Für und Wider) erinnert eine Tafel in der Nähe eines liebevoll gestalteten Holz-Brunnens etwas weiter unten.

Ein Brünnlein steht im Walde…

Dann sind wir am Ufer des Schluchsees und geben uns wieder den Segnungen der Konus-Karte hin. Hier bietet sich die letzte Chance auf einen Bus, und am Himmel ist es schon wieder bedrohlich schwarz.

Und so erreichen wir unser heutiges Etappenziel einmal mehr motorisiert: St. Blasien mit seinem mächtigen Dom, dem Erbe des Benediktinerordens, der den Ort an der Alb zu einem wichtigen geistlichen (und auch weltlichen) Zentrum gemacht hat.

Abend(essen)-Blick auf den Dom von St. Blasien.

Im Dom-Hotel finden wir ein gemütliches Quartier und genießen bei der Familie Brodmannfrischen badischen Spargel mit Kratzete beziehungsweiße Kartoffeln. Ein Gedicht! Vor allem, wenn man sich dazu noch dem fantastischen Blick auf den abendlich illuminierten Dom hingeben kann. Wandererherz, was willst Du mehr!

Gemütliches Quartier: das Dom-Hotel von St. Blasien.

StreckenStenogramm (komplette Etappe):

Start: Fischbach

Ziel: St. Blasien

Länge: gut 20 Kilometer 

Dauer: rund sieben Stunden

Höhenunterschiede: 440 Meter auf, 730Meter ab

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