Via Pensionista (8): Ein Tag in Bergamo

Ein Sonntag in Bergamo. Wir wollen ihn der Kultur widmen. Die Plakate am Straßenrand haben uns schon große Lust auf die Museen gemacht, und wir freuen uns darauf, obwohl wir wissen, daß wir unmöglich alles anschauen können.

Zunächst aber muß ja Arco zu seinem Recht kommen. Wir stehen also früh auf und genießen nach den Tagen der Hitze die morgendliche Kühle. Nach den Erzählungen des Hoteliers über die Temperaturen der vergangenen Woche wundere ich mich nicht mehr, warum ich auf meiner Via Pensionista ab und an so hart zu kämpfen hatte. In Bergamo hatte es 42 Grad und selbst in 2000 Meter Höhe, wo wir ja unterwegs waren, noch über 30. Deren (negativer) Wirkung konnte selbst ich Hitze-Fan mich nicht erwehren.

Nun aber schlendern wir durch die Unterstadt und freuen uns an den angenehmen Temperaturen und dem Flair der erwachenden Stadt. Und wir staunen, wie grün die so dicht besiedelte Stadt dann doch ist – was den Adligen zu verdanken ist, die vor zweieinhalb Jahrhunderten ihr Selbstbewusstsein entwickelten und sich hinter ihren Paläste herrliche Gärten anlegen ließen und sich dabei mit möglichst großen und exotischen Baumarten zu übertrumpfen versuchten.

Einem davon, dem Grafen Carrara, ist auch die Kunst-Tradition Bergamos zu verdanken. Ende des 18.  Jahrhunderts gründete er die Accademia Carrara, eine Mischung aus Museum und Zeichenschule. Sie besuchen wir am Nachmittag. Zunächst aber ist die Galerie für moderne Kunst (GAMEC) dran. (http://www.gamec.it)

Sie beherbergt Werke namhafter Künstler des 20. Jahrhunderts: de Chirico oder Wassily Kandinsky zum Beispiel.

Am meisten aber begeistert uns ein Bildhauer, von dem wir zuvor noch nie etwas gehört haben: Giacomo Manzu, ein Sohn dieser Stadt, der in seinen Plastiken geradezu genial Abstraktion und Tradition miteinander verbunden hat. Mich beeindrucken vor allem die strenge, standesbewusste, schöne japanische Frau als auch die Erotik in seinem entfesselten Liebespaar. (https://de.wikipedia.org/wiki/Giacomo_Manzù)

Draußen geht ein Regenguss nieder – wir haben also den idealen Museumstag erwischt. Wie gesagt: wir haben die Reihenfolge umgedreht, der Morgen gehörte der Moderne, nach einem Kaffee im inspirierenden GAMEC-Café widmen wir den Nachmittag den alten Meistern.

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In der Accademia Carrara in Bergamo: Kain erschlägt Abel

Die Adligen Bergamos haben vor allem religiöse Kunstwerke zusammengetragen. Ich bin begeistert – vor allem, weil ich die Zeit habe, mich den Bildern etwas intensiver zu widmen und mit Hilfe des Internet die Symbolik de Tiere und Pflanzen, die die biblischen Geschichten oder Szenen aus dem Leben diverser Heiliger umgeben, zu entschlüsseln. Das macht Spaß und bietet jede Menge Überraschungen. Ich fasse mal wieder einen Vorsatz: Daheim will ich mich intensiver damit befassen.

Den Kunst-Tag lassen wir gemütlich ausklingen: mit einem Gelato aus der Traditions-Eisdiele La Chicca und (da sonntags in der Unterstadt wohl alle einheimischen Gaststätten, die uns empfohlen wurden, zu haben) einem indischen Essen. „Guru“ heißt das Lokal. Ob der Koch ein solcher ist, wissen wir nicht. Auf jeden Fall schmeckt es sehr gut.

Gegangen und gegessen am 6. August 2017

Geschrieben am 16. August 2017

Übernachtung: Hotel La Castellana; garni; exzellentes regionales Frühstück; gute Tipps für die Stadt vom freundlichen (gutEnglisch sprechenden) Wirt; toll in der Innenstadt gelegen; hundefreundlich; www.lacastellanabergamo.it; Informationen zur Stadt unter www.visitbergamo.net/de

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