Archiv der Kategorie: Wanderbericht

Via Transalpina 2018: Prolog

Kaum zu glauben: Es ist nun schon ein Jahr her, daß wir zu meiner Via Pensionista aufgebrochen sind. Seit einem Jahr ist mein „normales“ Arbeitsleben nun zu Ende. Vermisst habe ich seither nichts.Meine Leidenschaft für die Berge, für das Wandern ist aber geblieben. Und mein großer Traum: den ganzen Alpenbogen abzulaufen. Es mag nun zehn Jahre her sein, daß wir damit angefangen haben. In weiter Ferne schien damals dieses Ziel. Ebenfalls kaum zu glauben: Jetzt ist es zum Greifen nah. Wenn nicht vier Wochen ein Gewitter das andere jagt, dann müßten wir es eigentlich bis Triest schaffen.Am Freitag, 13. Juli 2018 haben wir schon bei der Anfahrt einen Vorgeschmack bekommen – Pustertal, Drei Zinnen, Monte Cristallo: alles einfach herrlich! Das macht so richtig Lust.Zunächst wollen wir es allerdings gemütlich angehen lassen, uns nicht gleich von der Hektik des Finales des Klosterwanderbuchschreibens in die Wander-Action stürzen.Unser Quartier schlagen wir daher in aller Ruhe am Camping Cologna direkt am Lago di Centro Cadore auf. Wir sind nach den Erfahrungen bei der Via Pensionista überrascht, daß dort so wenig los ist. Wir finden ohne Probleme einen schönen Platz, der nette Besitzer erlaubt uns, unseren fantastischen Ford Transit während der nächsten Wochen dort stehen zu lassen zu können, die hauseigene Pizza Cartufola (mit Topinambur) schmeckt fantastisch, wir schlafen gut. Toll, daß wir uns entschieden haben, den Samtag als Ruhetag zu reservieren.

Herrliche alte Brunnen am Wegesrand.

Erstmal wird gemütlich gefrühstückt. Dann muß Arco natürlich eine Strecke gehen. Wir gehen also über die schmale Brücke, hoch ins Dorf, weil wir noch was einkaufen wollen. Und kommen an San Vigilio vorbei. Etwa 300 Jahre alter Kirchturm, moderne Kirche, deren Architektur aber Altes aufnimmt: das eher niedrige Dach und die Steine, aus denen die Bauernhäuser hier im Cadore sind.

Ein beeindruckender Bau: San Vigilio in Calalzo.

Weiter oben in der Bar erfahren wir, daß wir nichts mehr einkaufen können, am Samstag schließen die Geschäfte schon um 12. Stört uns nicht groß, wir wollen jetzt erstmal schwimmen. Durchs Dickicht finden wir dann drunten am Ufer einen Platz nur für uns zwei und erfrischen uns.Die Tretboote, die an uns vorüberzuckeln, machen dann aber doch Lust, und wir wollen uns eins mieten.Das heißt aber, daß wir doch das Auto benutzen und nach Calalzo fahren müssen. Dort klappt auch das Einkaufen, aber zum Tretboot müssen wir noch ein gehöriges Stück tappen. Auf dem Gelände, durch das normalerweise die Straße führt, findet nämlich ein großes Römerfest statt. Dort spielen erwachsene Männer die Armee des Drusus Germanicus, der Hermann, den Cherusker einer Riesenarmee zum Trotz nicht bezwingen konnte.Uns ist jetzt jedenfalls der Lago di Cadore wichtiger.Fabiano, der junge Mann, der in der Nähe des Chalet Lagole die Miet-Tretboote betreut, gibt uns einen guten Tipp: Wir sollen in eine Bucht ganz in der Nähe unseres Campingplatzes hineinfahren, in die sich die Talagona, der wir morgen auf unserer ersten Etappe folgen werden, ergießt.

Die Talagona-Bucht: einfach herrlich.

Und er hat recht: wir sind tatsächlich ganz allein und können uns nur für uns in die herrlich kühlen Fluten stürzen.

Auch die Pizza mit Topinambur in unserer „heimischen“ Pizzeria Cologna auf dem Campingplatz schmeckt wieder ganz hervorragend.Und so freuen wir uns nach diesem herrlichen Eingewöhntag so richtig auf unseren erste Etappe morgen.Erlebt am 14. Juli 2018Fertig geschrieben am 18. Juli 2018

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Via Pensionista (18): Rifugio Cauriol – Bivacco Paolo e Nicola

Optimal war die Nacht im Rifugio Cauriol nicht. Mit dem einfachen Massenlager und dem Wendeltreppensteigen im Dunkeln komme ich auf meiner Via Pensionista eben doch nicht so zurecht, Zudem verheißt der Wetterbericht nichts Gutes: Spätestens um 15 Uhr soll es regnen, und wie immer auf der Translagorai, für den uns Bergführer Alessandro Beber tolle Tipps gegeben hat, haben wir eine lange Etappe vor uns. Wir müssen uns also sputen. Früh raus.

Der Wirt vom Rifugio Cauriol lehnt es zunächst ab, uns schon um 7 Uhr ein Frühstück zu servieren. Kann ich irgendwie auch verstehen. Sein Lokal ist so beliebt, daß auch Gäste vom Tal zum Abendessen hochfahren. Und die haben nun mal mehr Sitzfleisch als Wanderer, die am nächsten Morgen früh weg müssen.

Die zwei jungen Damen, die das Nachtlager mit uns geteilt haben, haben allerdings die glänzende Idee, bei der Nachbaralm, der Malga Sadole, anzufragen, ob da nicht was mit einem Frühstück drin wäre. Und in der Tat: Das klappt. Und der eigene Käse schmeckt  zum Milchkaffee auch ganz prima.  Kein Zweifel: Kulinarisch ist das ein ganz hervorragendes Plätzchen hier.

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Ein toller Platz (nicht nur fürs Frühstück): die Malga Sadole.

Wir müssen der Versuchung widerstehen, in aller Gemütlichkeit erst einmal sitzen zu bleiben (wobei Christine wie immer um diese Uhrzeit viel willensstärker ist als ich). Aber es hilft nichts: Wir müssen auf die Piste. Auch wenn sie (mal wieder) nicht meinen Lieblingsprofil entspricht: Es geht erst einmal hinein in eine enorme Steigung. Die jungen Leute, die nur kurz vor uns gingen (jetzt mit männlicher Verstärkung), rücken immer mehr aus unserem Blickfeld, bald sind sie entschwunden.

Dafür begegnen uns zwei Weidmänner. Offensichtlich eine Tirol-italienische Jagdgemeinschaft (es freut mich, daß das nach all dem sinnlosen Töten hier an der Alpenfront wieder möglich ist). „Wir gehen auf die Gams“, erzählen Sie uns und blicken wie wir prüfend zu den  schwarzen Wolken nach oben. Als wir sagen, wohin wir wollen, bekommt der eine einen Gesichtsausdruck, der nicht unbedingt Zuversicht in mir auslöst: „Zum Biwak? Das ist noch sehr weit!“

Und dennoch sammeln wir tapfer Höhenmeter um Höhenmeter. Die 620 bis zu unserer ersten Scharte, der Forcella di Canzenagol auf 2220 Meter schaffen wir bemerkenswert leicht, das Wetter sieht auch gar nicht slo mies aus, und so nehmen wir uns auch Zeit für ein Selfie in dieser herrlichen Natur.

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Beim Selfie war das Wetter noch schön.

Eine halbe Stunde später treffen wir jedoch eine Fehlentscheidung: Wir bldeiben nicht auf dem unteren Weg 439B, sondern nehmen den auf der Karte kürzeren. 439. Ohne B. Und der führt nicht nur am Lago Brutto vorbei, sondern ist auch brutto (der italienische Ausdruck für „schlimm“). Der See selbst ist sehr idyllisch, aber das kann ich kaum genießen, da direkt dahinter ein fast senkrechter Aufstieg wartet.

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Vom Lago Brutto geht es brutto (schlimm) hinauf.

Da geht es nicht etwa in den von mir so sehr geliebten Serpentinen bergauf – sondern fast durchweg in der Direttissima. Ich komme gewaltig ins Schnaufen, zumal ich ja immer die Wettervorhersage im Hinterkopf habe. Und die Uhr tickt.

Oben auf der Moregna-Scharte wird dann der Frust noch größer, weil uns bewußt wird, daß der Kampf auf fast 2400 Meter im Grunde für die Katz war: Denn danach müssen wir von der Forcella di Morgen wieder 160 Höhenmeter hinunter, um auf denselben B-Weg zu treffen, auf dem wir schon mal waren. Für alle, die planen, ebenfalls die Translagorai zu gehen, daher der Tipp: Wenn man nicht unbedingt Höhenmeter sammeln möchte – besser unten bleiben, der Weg ist weit genug.

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Hier wird dann aber das Wetter zunehmend mieser. Zu den Wolken gesellt sich ein kalter Wind, der Unheil ankündigt. Und nun wandre – besser: haste – ich voran. Nach den Erfahrungen der ersten Translagorai-Etappe habe ich keinen Bock, schon wieder triefend naß in einem Notquartier anzukommen.

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Nach der Moregna-Scharte wird das Wetter immer mieser.

Und tatsächlich: Während der letzten Steigung zum Bivacco Paolo e Nicola auf 2180 Metern an der Valmaggiore-Scharte winkt mir eine der jungen Damen fröhlich von der Hüttentür aus zu. Wir haben es geschafft! Rechtzeitig!

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Ein erstaunlich gemütliches Quartier: das Bivacco Paolo e Nicola.

Als wir durch die Tür gehen, sind wir baff erstaunt: Kein Vergleich zu unserem ersten Biwak kurz vor dem Manghen-Pass! Alles sauber. Die Ausstattung ist top. Es gibt sogar Essensvorräte (die wir nicht  in Anspruch nehmen, sondern unseren eigenen Käse-Vorrat, den wir auf der Sadole-Alm mitgenommen haben, gleich vervespern). Es gibt genügend Holz zum Heizen. Auch wenn Decken fehlen: Unsere Schlafsäcke tun  es auch. Und so erleben wir das am Abend hereinbrechende Gewitter in wohliger Wärme und Gelassenheit.

Gegangen am 19. August 2017

Geschrieben am 10. September 2017

Start: 7.45 Uhr

Ziel: 15 Uhr

Höhenunterschied: 1160 Meter auf, 400 Meter ab

Übernachtung: Bivacco Paolo e Nicola; Notunterkunft, aber gemütlich und gut ausgestattet; keine Decken; Frischwasserquelle etwa fünf Minuten entfernt.

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Informationen über das Wandern in den Lagorai unter www.visitvalsugana.it

Informationen zur Region gibt es unter gibt es unter https://www.visittrentino.info/de

Via Pensionista (17): Rifugio Malga Conseria – Rifugio Cauriol

Kommando zurück! So heißt es am nächsten Morgen. Aber dass stört uns nicht sehr. Zwar müssen wir auf der Strecke, die mir der hochkompetente Bergführer Alessandro Beber für meine Via Pensionista durch die Lagorai empfohlen hat, vom Rifugio Malga Conseria bmehr als eine Stunde den Weg zurück über den Passo Cinque Croci zur Alpe Cion.

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Auf dem Passo Cinque Croci (Fünf-Kreuze-Pass)…
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… verabschiedet sich Christine von ihren Freunden.

Aber wir freuen uns schon auf diese herrliche Landschaft und sind gespannt, was wir denn heute so Neues entdecken.

Zunächst geht es einmal bergab. Die Hüttenwirtin von der Malga Conseria hat schon recht: der Weg ist sehr schwer zu finden, weil die Markierungen miserabel und zudem hier nur wenige Wanderer unterwegs sind. Aber gerade das ist ja das Schöne an einer Tour durch die Lagorai. Wir genießen die herrliche Landschaft und erfreuen uns auch an der Schönheit des Verfalls.

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Ja, so etwas kann es tatsächlich auch geben. Zum Beispiel in Form einer verfallenen Almhütte, aus der ein Strauch mit roten Beeren rankt und hinter der sich der Blick in die Weite der Wiesen öffnet.

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Kurz dahinter stoße ich auf ein schlichtes Holzkreuz. „Zur Erinnerung und Dankbarkeit“ steht auf Italienisch dort geschrieben, und irgendwie zieht mich das magisch an. Ich setze mich auf ein Holzbänkle daneben, genieße die Sonne und das Geräusch der mich umschwirrenden Bienen.

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Und plötzlich bin ich ganz bei mir und in mir. Kann die Stelle regelrecht körperlich spüren, fühle mich ganz daheim in dieser Landschaft und in mir selbst auch. Das sind die Momente, die einem nur eine Wanderung durch die Berge schenken kann. Das ist zumindest meine Meinung.

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Wo wir heute rasten, tobte vor 100 Jahren der Erste Weltkrieg.

Und in der Tat sind wir ja auf dem Friedensweg unterwegs. Daß es da nicht nur um meinen inneren Frieden geht, spüre ich schon etwa eine halbe Stunde später auf dem knapp 2000 Meter hohen Passt Cupola: Das erste im Vorjahr aufgestellte Kreuz wird vom Stacheldraht umwunden, der vor hundert Jahren vom Ersten Weltkrieg sich diese herrliche und damals wie heute zutiefst einsame Gegend durchzog und durchtrennte.

Es ist Mittag, und wir packen die Jause aus. Nach ein paar Minuten kommen tatsächlich doch noch zwei Leute über die Passhöhe: Vater und Sohn auf der Pilzsuche. Pfifferlinge haben sie ausreichend gefunden, aber mit Steinpilzen hapert es heuer, sagen sie. Zu trocken, das Jahr 2017. Im Prinzip sei dies aber hier eine tolle Pilz-Gegend. Die beiden haben übrigens einer Fabrik, die Mehltüten für Getreidemühlen herstellt. Sie liefern auch in schwäbische Lande. So klein ist die Welt.

So nett die Unterhaltung war: Wir müssen jetzt weiter. Denn die Etappen auf dem Translagorai (wie die Weitwanderung durch dieses Gebirge genannt wird) sind nicht gerade kurz. Die Übernachtungsmöglichlkeiten liegen weit auseinander.

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Der Weg zum Passo Sadole kostet viel Kraft.

Und wir müssen auch noch hoch zum Passo Sadole. Der ist im Prinzip mit 2066 Höhenmetern gar nicht so wild, aber die lange Strecke fordert eben doch ihren Tribut: Christine kämpft mit Unterzucker, jetzt gegen Abend pfeift noch ein kalter Wind übers Joch, und so suchen und finden wir Unterschlupf in der Ruine einer (vermutlich österreichischen) Militärstellung aus dem Ersten Weltkrieg. Selbst Arco ist erschöpft und bettet sein Haupt auf einen Stein in der einstigen Soldatenstube.

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Auch ein Vierbeiner muß sich mal erholen.

Ja, der Krieg begleitet einen hier auf Schritt und Tritt. Ein Wegweiser macht darauf aufmerksam,. wo einst der Österreicher-Pfad zur Front verlief. Wir profitieren nun von der Wegebaukunst der Tiefgbauingenieure von damals. Ich preise die Segnungen der Erfindung der Serpentinen, über die wir zwar langsam, aber doch bequem über 450 Höhenmeter Gefälle drunten auf der Pian delle Maddalene und bei der Cauriol-Hütte ankommen.

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Unser Ziel für heute: die Cauriol-Hütte.

Irgendwie passt das Quartier zu dieser militärisch geprägten Etappe: An der Decke und an den Wänden des Speiseraums hängen Fundstücke aus dem Ersten Weltkrieg, vom Essgeschirr bis zur Handgranate (für manche sicher befremdlich, für uns aber passend und informativ, weil das eben zur Geschichte der Region gehört).

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Makabre, aber eindrucksvolle Dekoration: Fundstücke aus dem Ersten Weltkrieg.

Es gibt nur einen einzigen Schlafraum (den wir uns gottseidank nur mit zwei jungen Frauen aus dem Trentino teilen müssen, die einen  Gewaltmarsch vom Manghen-Pass – !!! – hinter sich haben), und der hat kein Fenster. Hinein- und hinaussteigen muß man über eine etwa 30 Zentimeter hohe Schwelle, die nicht gerade zum Komfort beiträgt, wenn man nachts aufs Klo muß (ebensowenig wie die schmale Wendeltreppe aus Metall).

Aber was soll’s?!: Das Essen ist gut, und wir sind beide erledigt genug, um allen Widrigkeiten zum Trotz auch gut zu schlafen.

Gegangen am 18. August 2017

Geschrieben am 6. September 2017

Start: 9 Uhr

Ankunft: 18.30 Uhr

Höhenunterschied: 400 Meter auf, 800 Meter ab

Übernachtung: Rifugio Cauriol; traditionsreiche Hütte, gute regionale Küche (Minestrone war laut Christine allerdings suboptimal); aber sehr einfache Schlafräume; sehr informative Ausstellungsstücke zu den Kämpfen am Monte Cauriol während des Ersten Weltkriegs; baitamontecauriol.it; Alternative: die gegenüber liegende Alm Malga Sadole (Übernachtung gratis, aber nur im Militärzelt; Frühstück aber prima).

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Informationen über das Wandern in den Lagorai unter www.visitvalsugana.it

Informationen zur Region gibt es unter gibt es unter https://www.visittrentino.info/de

Via Pensionista (16): Bivacco al Mangheneto – Rifugio Malga Conseria

Einen Vorteil hat eine miese Nacht: Man kommt auch früh wieder los. Und so haken wir die Unbequemlichkeiten einfach ab. Los geht’s!

Gefrühstückt haben wir nichts. Aber das ist auch nicht weiter schlimm. Schon nach 50 Minuten erreichen wir das erste Zwischenziel: die Manghen-Hütte, von der ich in meiner Unbedarftheit beim schnellen Blick auf die Karte ursprünglich gedacht hatte, wir könnten dort übernachten. Gottseidank hat mich Lorenzo, der Wirt vom Rifugio Sette Selle, am Morgen davor aufgeklärt, daß dem keineswegs so ist.

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Auf der Manghen-Hütte gönnen wir uns ein gutes Frühstück.

Aber wenigstens  hat die Manghen-Hütte früh genug geöffnet, um dort ein Frühstück genießen zu können. Zum überraschend guten Café Latte (respektive Latte Macchiato) lasse ich mir einem Apfelstrudel schmecken (mir fällt auf, das ich davon auf meiner Via Pensionista sehr viel esse, nachdem ich diesem Gebäck ansonsten eher abhold bin), Christine schüttet ihre Haferflocken in die warme Milch.

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Beeindruckendes Naturdenkmal: „der Ewige“ steht unerschütterlich.

Auf jeden Fall sind wir gut gestärkt für den Weiterweg auf der herrlichen Route, die mir der hoch kompetente Bergführer Alessandro Beber vorschlagen hat. Schon nach einer guten Viertelstunde, noch vor dem Lago delle Buse, fasziniert mich ein Naturdenkmal: ein alter Baum, der seine Nadel komplett verloren hat. Aber seine Wurzeln, die er im Laufe der Jahrhunderte um einen mächtigen Felsblock gewunden hat, halten ihn dennoch fest. Stramm steht er da, unerschütterlich, sturmgeprüft, obwohl er aus menschlicher Sicht so etwas wie ein  Glatzkopf ist, wirft ihn so schnell nichts um. Ein schönes Bild, das mir die Natur da vor Augen gestellt hat. „L’Eterno“ („Der Ewige“) haben ihn die Einheimischen getauft. Und den Namen verdient er auch.

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Romantische Spiegelungen in den klaren Teichen des Lagorai – hier im Lago delle Buse.

Es ist wieder mal ein herrlicher Tag, wir können uns nicht satt sehen an diesem für uns so unbekannten Gebirge, das sich im Lago delle Buse (und vielen anderen mal größeren, mal kleineren) Teichen widerspiegelt, ein verrottender Baumstamm in den Moorwiesen kommt einem vor, als habe sich ein Krokodil dorthin verirrt.

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Ein Krokodil in den Moorwiesen? Nein, nur vermodernder Baumstamm.

Die Zeit verrinnt wie im Fluge. Besser gesagt: Wir merken gar nicht, wie sie auf der Translagorai, wie dieser Wanderweg heißt, vergeht. Ob sie still steht, verschwindet oder gar nicht existiert – wer kann dies in einer solchen Natur, in einer solchen Stimmung denn schon sagen? Und es spielt letztlich ja auch gar keine Rolle.

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Auf der Forcella di Valsorda pfeift der Wind kalt.

Erst lang nach Mittag meldet sich an der Forcella di Valsorda meldet sich auf 2256 Meter der Hunger. Und der kühle Wind, der uns bei der Jause umweht, macht uns so richtig bewusst, daß es schon relativ spät ist und noch ein gehöriges Stück Weges vor uns liegt.

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Vor dem letzten Wegstück auf dem Passo Val Cion  nochmal die Seele baumeln lassen.

Aber das ist gottseidank nicht allzu schwierig. Erst müssen wir zu den unteren Buse-Seen (hier heißt irgendwie alles Buse), dann wieder leicht hinauf zum Passo Val Cion (2076 Meter). Aber alles hält sich in Grenzen, nicht weiter schlimm. Und wir bewundern, wie drunten an den Hängen des Ornelle-Tales zwei Boarder-Collies ihre Kühe mit spielerischer Leichtigkeit hinüber zur Valsorda-Alm treiben (und der Hirt tut es ihnen federnden Schrittes gleich). Ich nehme mir trotz relativ später Stunde die Zeit zum Genießen. Lege mich hin, stelle die Beine auf und lasse die Seele baumeln.

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Vom Fünf-Kreuze-Pass ist es nicht mehr weit bis zum Ziel.

Der Forstweg hinüber zum Passo Cinque Croci (Fünf-Kreuze-Pass) bereitet nicht die geringsten Schwierigkeiten. Und hier erleben wir das zweite Schäfer-Schauspiel: Diesmal werden Schafe in Windeseile so um die 200 Höhenmeter fast vom Gipfel des Col di San Giovanni hinunter zu den Fünf Kreuzen (auf 2018 Metern) getrieben. Kaum zu glauben, wie schnell das gehen kann.

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An der Malga Conseria starben im Ersten Weltkrieg viele junge Leute: Auf dem Soldatenfriedhof wehen nun die italienische und die österreichische Fahne.

In der herrlichen Abendstimmung steigen wir hinab zur Rifugio Malga Conseria auf 1848 Metern. Unsere Euphorie wird kurz vor unserem Nachtquartier etwas gebremst: Ein Soldatenfriedhof erinnert daran, daß vor hundert Jahren hier auch Menschen zuhauf starben. Die Italiener wollten den Fünf-Kreuze-Pass stürmen, die Österreicher verhinderten dies (ebenfalls unter schweren Verlusten). Es gab keinen „Sieger“. Wie gut, daß jetzt über den Holzgräbern auf dem kleinen Soldatenfriedhof bei Flaggen gemeinsam wehen…

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Das Rifugio Malga Conseria überrascht uns sehr angenehm: Erst vor kurzem wurde die einstige Almhütte umgebaut. Die Wirtsleute sind sehr freundlich, Frau Wirtin kocht hervorragend (zum Beispiel eine ganz frische Zucchinicremesuppe), Anna, die sich als Bedienung ein paar Kreuzerle für ihre große Reise hinzuverdient, die sie nach dem Abi machen möchte, übt mit uns Deutsch-Sprechen (und kann das besser, als sie selbst meint), wir schlafen prima – und selbst die Hunde verstehen sich prima (die Selbst-Bezeichnung „dogfriendly“ trifft hier tatsächlich zu) und teilen sich eine Wasserschüssel.

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Gemeinsam schmeckt es einfach.

Gemütlich und zufrieden mit der eigenen Leistung klingt der Tag aus. Wanderer-Herz – was begehrst Du mehr?

Gegangen am 17. August 2017

Geschrieben am 4. September 2017

Start: 7.30 Uhr

Ankunft: 17.30 Uhr

Höhenmeter: 440 Meter auf, 660 Meter ab

Übernachtung: Rifugio Malga Conseria; vor kurzem renoviert; sehr schöne Zimmer; freundliche Wirtsleute; gute regionale Küche; www.rifugioconseria.it; Informationen über das Wandern in den Lagorai unter www.visitvalsugana.it

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Informationen zur Region gibt es unter gibt es unter https://www.visittrentino.info/de

Via Pensionista (15): Rifugio Sette Selle – Bivacco al Mangheneto

Die Nacht im Massenlager war überdurchschnittlich gut. Wir fühlen uns erholt und gestärkt für unsere erste „richtige“ Etappe auf unserer Lagorai-Durchquerung. „Translagorai“ heißt die Tour, die in Deutschland wohl nicht allzu viele kennen dürften. Für Alessandro Beber, den Bergführer, den mir Cristina Eberle vom Tourismusverband Val Sugana empfohlen und als Ratgeber vermittelt hat, zählt sie zu „den schönsten Treks dieser Welt“. Und das, obwohl er schon Touren in Nepal und Peru geführt hat.

Warum das? „Geh halt und schau selbst!“, sagt er nur. Und da sind wir natürlich gespannt.

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Die essen Wolken am Himmel über den Lagorai beunruhigen uns nicht hat allzu sehr.

Auf jeden Fall geht es höchst angenehm los. Eine erträgliche Steigung, und wir müssen nicht auf den Gipfel des Schrirbler, sondern können kurz darunter zum Außertoljoch queren, auch der höchste Punkt des Kunken bleibt uns erspart, dafür bietet sich uns schon jetzt nach allen Richtungen ein fantastischer Blick. Die paar Wolken am Himmel stören uns nicht.

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Auch Mitte August blüht es noch in den Lagorai: hier die Knäuel-Glockenblume.

Am Sattelenjoch (Passo Cagnon de Sopra) müssen wir dann das altdeutsche Sprachgebiet des Fersentals verlassen. Wir treffen eine junge Trentinerin mit ihrem Hund. „Ich bin wohl das letzte Mal mit Turcho hier“, sagt sie bedauernd: „Er ist blind.“ Wir staunen, wie er dennoch treu und sicher neben und hinter seinem Fraule hertrottet. Er läuft nach Geruch. „Und er kennt die Gegend“, erklärt sie. Trotzdem ist es für mich wie ein Wunder, mit welcher Sicherheit er das packt.

Wir reden auch übers Wetter. „Die Wolken da gefallen mir nicht“, meint die einheimische junge Dame: „Heute regnet es nicht. Aber ich glaube, morgen.“

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Eine unendliche Bergwelt wartet noch auf uns.

Manchmal kann es bis morgen nur zehn Minuten sein. Dann nämlich müssen wir mitten am Hang in einer Blitzaktion unsere Regensachen auspacken, vom ersten Tropfen bis zum Dauerguß dauert es keine Minute.Wir kauern uns zuerst in einer Militärstellung aus dem Ersten Weltkrieg nieder. Aber mir Neu-Rentner geht das schon nach Minuten gewaltig in die Knie. Also: raus aus der Hocke, rein in den Regen!

Bei einem solchen Sauwetter können Minuten zu Stunden werden. Der Regen setzt das Zeitgefühl außer Kraft, auch die Orientierung läßt nach. Manchmal zweifle ich, auf dem rechten (respektive richtigen) Weg zu sein. In einer Regenpause essen wir was. Und wieder ist es Zeit zum Staunen: Es ist schon fantastisch, wie schon Sekunden nach dem letzten Tropfen die Schmetterlinge wieder munter durch die Luft schwirren! Wo die wohl Schutz gesucht und gefunden haben?!

So gegen 15.30 Uhr haben auch wir Schutz gefunden. Wenn auch keinen Komfort. Wo auf der Karte das Bivacco al Mangheneto verzeichnet ist, stehen zwar gleich zwei Hütten. Aber beide sind außen hui, aber drinnen eher hui-minus. Sicher, man hat ein Dach über dem Kopf, und das ist gut. Aber es gibt keine Matratzen, keine Decken.

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Unübertrefflich: Christine, die Wäschetrocken-Meisterin.

Dafür aber Hinweise, man solle mit dem Holz sparsam umgehen. Würde ich ja gerne, wenn denn eins da wäre! So aber muß ich erst mal den (mehr oder minder) lustigen Holzhackerbua spielen, um mit den Resten irgendwelcher Pressspannplatten, die wir draußen vor der Tür gefunden haben, Christine bei ihrer tapferen Wäschetrocken-Aktion zu unterstützen. Trotz Schutzhaut ist der Regen eben doch in den Rucksack vorgedrungen, und wir lernen: Innendrin eben doch nochmal alles in Plastik verpacken!

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Der Schornstein raucht: Meine Aktion als lustiger Holzhackerbua war erfolgreich.

Das Abendessen ist eher kalt, aber immer noch findet sich in einem der Biwaks eine noch nicht leere Flasche Grappa alla Ruta, von deren Inhalt man etwas in den dünnen Tee gießen kann.

Und wir spüren, daß man doch auch auf harter Unterlage einigermaßen schlafen kann, wenn man erschöpft genug ist.

Gegangen am 16. August 2017

Geschrieben am 22. August 2017

Start: 8.30 Uhr

Ziel: 16.30 Uhr

Höhenunterschied: 400 Meter auf und ab

Übernachtung im Bivacco Mangheneto; sehr schlecht, aber für Normalwanderer die einzige Möglichkeit; Informationen über das Wandern in den Lagorai unter www.visitvalsugana.it

Informationen zur Region gibt es unter gibt es unter https://www.visittrentino.info/de

Via Pensionista (14): In die Lagorai

Maria Himmelfahrt! Ferragosto! Für uns ist die Entscheidung klar: Nach der Brenta (trotz des Quartier-Stresses einfach fantastisch!) wollen wir nun auf meiner Via Pensionista die Lagorai-Kette durchqueren.

Und haben wieder ein Radio Eriwan-Erlebnis: Im Prinzip ist es ganz einfach – nach Trient sind es nur 28 Kilometer, in die Hauptstadt der Region Trentino/Alto Adige muß ja ständig ein Bus fahren, und an dessen Endstation haben wir ja sicher Anschluss nach Palu Del Fersine. Alessandro Beber, ein hoch kompetenter Bergführer, den mir Cristina Eberle vom Tourismusverband Val Sugana in Levico empfohlen hat, hat vorgeschlagen, daß wir von dort aus zum Rifugio Sette Selle („sieben Sättel“) aufsteigen. Das geht noch am Abend.

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Werner bleibt lieber noch ein paar Tage in Ponte Arche

Überraschung Nummer 1: Der erste Bus gen Trento geht erst um 12.56 Uhr. Das stört uns zunächst nicht sehr. Wir haben ja genug Zeit, die Wanderung soll nur eineinhalb Stunden dauern. Also setzen wir uns noch mit Werner, der sich entschieden hat, lieber noch die Annehmlichkeiten des Cattoni-Hotels zu genießen, statt sich noch weiter dem Stress der Quartiersuche auszusetzen, ins Buca di Neve, trinken noch zum Abschied einen köstlichen alkoholfreien Ingwer-Zitrone- beziehungsweise Lavendel-Zitrone-Cocktail (bei mir müssen es natürlich zusätzlich die traditionellen vier Kugeln Eis sein) und steigen dann in den Bus.

Überraschung Nummer 2 wartet dann am Busbahnhof von Trient: Es ist Maria Himmelfahrt, Ferragosto, Feiertag – und da fährt überhaupt kein Bus nach Palu! Das Äußerste, was noch drin ist, ist Pergine.

Ich will mich nicht damit abfinden, auf halber Strecke liegen zu bleiben. Starte von Trient aus (da gibt es wenigstens ein Netz) eine weitere Telefonaktion und treibe tatsächlich ein Taxi auf. Die 40 Euro dafür sind gut angelegt: wir kommen noch so zeitig nach Palu, daß wir den Aufstieg genießen und darüberhinaus noch kulturgeschichtliche Studien betreiben können.

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Palu heißt auf Deutsch  Palai im Fersental. Vor etwas mehr als 500 Jahren hat ein Graf von Tirol deutsche Bergleute dorthin geholt. Vermutlich Bayern. Deren Nachfahren haben sich deren Dialekt über ein halbes Jahrtausend hinweg bewahrt.

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Da gibt es dann ein Kohlplatzl, eine Stroß und einen Berg, der Schirmbler heißt. Und auch eines der mittelalterlichen Bergwerke kann man bei einem 200-Meter-Abstecher vom Weg zum Rifugio noch besichtigen (sofern geöffnet ist).

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Die Forststraße geht auf halber Höhe in einen Wanderweg über. Wir scheinen uns von den Strapazen des Abstiegs von der Agostini-Hütte gut erholt zu haben. Sind auf jeden Fall nicht so erschöpft wie das junge italienische Pärchen, das nach zwölf Jahren Pause wieder ins Wandern einsteigen will und dem ich eine Dreiviertelstunde vor dem Ziel mit einigen meiner getrockneten Datteön über den Unterzucker-KO hinweg helfe. Dennoch wollen sie nicht mehr hoch. Sondern schnellstmöglich zurück nach Palu. Etwas essen.

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Herrlich gelegen: das Rifugio Seite Selle am Rande der Lagorai-Kette.

Nach dem Nahverkehrs-Desaster hätte ich mir nicht vorstellen können, doch so früh oben an unserem Quartier (immerhin 2000Meter hoch) anzukommen. Beim Abendessen merken wir, daß wir zurück im Polenta-Reich sind (es gibt auch für mich kein Entrinnen).

Wir müssen ins Massenlager. Aber das ist nur zur Hälfte belegt, und Christine ergattert sich zwei tolle Plätze am Fenster. Wir schlafen wunderbar, und Christine schwärmt noch tagelang davon.

Gegangen am 15. August 2017

Geschrieben am 19. August 2017

Höhenunterschied: 400 Meter bergauf

Start: 15 Uhr

Ziel: 17 Uhr

Übernachtung: Rifugio Sette Selle; sehr gemütlich; Essen sehr auf Polenta fixiert; nette Wirtsleute; überdurchschnittlich bequemes Massenlager unterm Dach ; http://www.setteselle.altervista.org; Informationen über das Wandern in den Lagorai und zum Val Sugaba allgemein findet man  unter http://www.visitvalsugana.it.

Informationen zur Region gibt es unter gibt es unter https://www.visittrentino.info/de

Via Pensionista (13): Rifugio Agostini – San Lorenzo in Banale und weiter per Bus nach Ponte Arche

Wie soll es nun weitergehen? Für Werner ist es klar: Sein Kompass-Wanderbuch schickt ihn hinab ins Tal nach San Lorenzo. Mein ursprünglicher Plan sah vor, vom Rifugio Tosa zum Molveno-See abzusteigen und vom in der Nähe gelegenen Andalo mit der Seilbahn die Paganella zu stürmen. Aber nachdem mir der freundliche Agostini-Hüttenwirt erklärt, das auch da jetzt ein Massenandrang herrscht, entscheiden wir uns dafür, zunächst nochmal das traumhafte-Brenta-Panorama zu genießen und dann Werner ins Tal zu begleiten und dort nach einem guten Albergo zu suchen, in dem wir mal wieder ordentlich duschen und alle Viere von uns strecken können.

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Der Abschied vom herrlichen Brenta-Panorama vor dem Rifugio Agostini  fällt nicht leicht.

Die Beschreibung in Werners Wanderbuch ist indes ziemlich chaotisch, und beim Rifugio Cacciatore merken wir, daß wir uns verfranst haben. Um auf die „richtige“ Strecke zu kommen, müßten wir wieder 180 Meter aufsteigen. Das wollen wir uns nach dem Haatsch von gestern nicht auch noch antun. Es führen ja alle Wege nach Rom, aber immerhin mehrere nach San Lorenzo.

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Eigentlich wollten wir da gar nicht hin: Christine und Werner auf dem Abstieg über herrliche Almwiesen nach San Lorenzo.

Nach kurzer Frist zweigt vom eher nervigen Forstweg dann ein wunderschöner nach rechts ab, über Almen und durch Wald geht es bergab, und da wir miterleben können, wie sich der Bergbach durch eine enge Spalte und einen schönen Wasserfall talwärts kämpft, stört es uns auch nicht groß, daß wir uns dann doch wieder dem Forstweg anvertrauen müssen.

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Der Forstweg durchs Ambiez-Tal ist eine Herausforderung der besonderen Art: Er scheint kein Ende zu nehmen.

Indes: Die Zeit verrinnt, und von Minute zu Minute brennen die Sohlen heftiger. Schon vor dem Wasserfall hat uns ein entgegenkommender Italiener erzählt, das er sein Auto am Rifugio Dolomiti abgestellt hat. Wir können es kaum erwarten, dieses Zwischenziel zu erreichen, sind aber einer harten Geduldsprobe ausgesetzt: Die Agostini-Hütte war auf mehr als 2400 Meter, die Dolomiti liegt bei gerade mal 900 und ist mehr ein Restaurant als ein Rifugio. Und deswegen trifft der Ausdruck „Ristoro“, auf den wir dann vor Ort treffen, die Sache ja auch besser.

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Endlich ist es geschafft: San Lorenzo ist in greifbarer Nähe!

Wir stärken uns mit kühlen Getränken, unsere Laune wird wieder besser, vor allem, als wir die ersten Häuser von San Lorenzo erblicken.

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Mit Alarmanlage geschützt: der gotische Altar von San Antonio am Dorfrand von San Lorenzo in Banale.

Gleich am Anfang steht das uralte Antonius-Kirchlein mit einem herrlichem gotischen Altar. Dort verbringen wir einige Minuten der Einkehr und sehen die reich mit wohlriechenden Blumen geschmückte Madonna. Wie romantisch! Ach, ja: Morgen ist  Maria Himmelfahrt, eines der höchsten italienischen Feste.

Und genau das erweist sich für uns als fatal!

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Romantisch: die alten Gassen von San Lorenzo in Banale.

Fünf Hotels gibt es in San Lorenzo, das zur Gruppe der schönsten italienischen Dörfer zählt – in allen handeln wir uns eine Abfuhr ein!

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Auch in San Lorenzo in Banale kann man der Schönheit des Verfalls begegnen.

Waren es in der Brenta (übrigens auf dem bisher einzigen Abschnitt meiner Via Pensionista) die Deutschen und Deutschsprachigen, die die Hütten in Beschlag genommen hatten (weswegen man es im Grunde tunlichst vermeiden sollte, in dieser Jahreszeit dort zu wandern zu versuchen, was wir jetzt gelernt haben), sind es drunten Im Tal die Italiener, die dafür sorgen, daß für spontan auftauchende Fuß-Touristen kein Bett übrig bleibt.

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Warten auf den Bus: Arno spitzt die Ohren.

Wir drei sind einmal wieder am Rande der Verzweiflung. Ich will aber nicht aufgeben. Im Bro-Hotel, wo wir eine Aranciata Amara nach der anderen kippen, telefoniere ich mir die Finger wund, komme dann auf die Idee, es in Comano Terme noch weiter unten im Tal zu versuchen, und tatsächlich schafft es Laura vom örtlichen Tourismus-Büro noch, für uns zwei Zimmer aufzutreiben: Das Cattoni-Hotel in Ponte Arche, das wir nach einer gut halbstündigen abendlichen Busfahrt erreichen (wegen der wir auf die so angepriesene Spezialität des Dorfes verzichten müssen: die “Ciuìga del Banale”, eine „Wurst aus bestem Schweinefleisch und weißer Rübe aus dem Trentino“), ist ein Glücksfall für uns. Werner hat ein Zimmer im Haupt-Haus, wir müssen zwar wegen Arco in die etwas in die Jahre gekommene Dependance ausweichen. Aber das Zimmer ist groß genug und hat eine heiße Dusche.

Zum Freiluft-Abendessen geht es noch ins Ristorante Don Pedro (sehr gut), danach gönnen wir uns noch in der Gelateria Bucaneve („Schneeloch“) einen beziehungsweise vier Bollen Eis. Danach fallen wir todmüde ins Bett und schlafen herrlich.

Gegangen am 14. August 2017

Geschrieben am 19. August 2017

Start: 8.30 Uhr

Ende der Wanderung: 14 Uhr

Höhenunterschied: 1700 Meter Abstieg!

Übernachtung: Hotel Cattoni Holiday in Ponte Arche; zwar etwas älter, aber sehr gut; Speisesaal war bei unserem Aufenthalt abends komplett ausgebucht (deswegen Ausweichen ins Ristorante Don Pedro); im Haupthaus keine Hunde erlaubt; aber Ausweichquartier in der Dependance für unsere Zwecke sehr in Ordnung.

Informationen zur Region gibt es unter gibt es unter https://www.visittrentino.info/de