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Sankt Petersburg 2018 (3): Frühstück

„Was hast Du denn da gegessen?“ — diese Frage zählt zu den beliebtesten, wem man aus einem Urlaub zurückkehrt. Was ja auch verständlich ist, denn Essen und Trinken hält ja Leib und Seele zusammen.

Alsdann, hier ist unsere Antwort: Unser Zimmer im Petro Palace Hotel haben wir ohne Frühstück gebucht. Wir wollen da nicht so gebunden sein und lieber schon am Morgen die Atmosphäre der Stadt schnuppern.

Und es ist ja keineswegs schwierig, Alternativen zu finden. Binnen fünf Gehminuten finden sich jede Menge Alternativen. Bisher haben wir uns auf drei beschränkt, die auch von Marcus X. Schmid in seinem hervorragenden Reiseführer aus dem Michael Müller Verlag empfohlen wurden.

Am weitesten entfernt (wie gesagt: fünf Minuten) ist das Café Stolle, gleich am Beginn des Newski Prospekt, damals wie heute die Prachtstraße St. Petersburgs. Hier soll der alte Glanz der Zarenmetropole wieder auferstehen, das Interieur lehnt sich sichtlich an den Wiener Kaffeehausstil an, und ich stelle mir vor, dass auch der Name aus der Zeit entlehnt ist, in der deutschstämmige Menschen einen Großteil der Bevölkerung dieser Stadt ausmachten.

Nostalgie auf Russisch: das Café Stolle am Newski Prodpekt (im Vordergrund Elisabetha).

An den Wänden hängen Schwarz-Weiß-Fotos der zaristischen Stadt, und auf der Speisekarte wird denn auch darauf hingewiesen, dass die Rezepte noch aus der vorrevolutionären Zeit stammen (heute wohl ein gutes Verkaufsargument).

Am Sonntagmorgen war das Personal noch nicht gerade in Hochform, die Bestellung ziemlich kompliziert. Am Donnerstag aber ist Elisabetha da, sehr motiviert, sehr freundlich, sehr fröhlich, aber auch sehr frustriert und verzweifelt, als Christines Omelett mit Gemüse so lange auf sich warten läßtl, dass man den Eindruck hat, als müsse erst noch gewartet werden, bis die Henne das nötige Ei gelegt hat. Eher postrevolutionär also, und der Jungens Frau, die eine amerikanische Schule in der Schweiz besucht hat und sehr gut Englisch spricht, ist das sichtlich peinlich. Auf jeden Fall schaut sie nicht mehr wie zuvor freundlich zu uns her, sondern hartnäckig in die andere Richtung, bis sie sogar in der Küche verschwindet und dann freudestrahlend mit dem Objekt der Frühstücksbegierde wieder auftaucht.

Ich bin da schon längst fertig. Ich hatte mich wie schon am Sonntag für die Spezialität des Hauses entschieden: Piroggi. Einmal in der süßen Variante (mit Johannisbeeren), einmal deftig (mit Kraut und Ei) drin. Beides schmeckt prima. Auch die Kohlsuppe, die beim zweiten Besuch die Süße des Kaffeehauslebens ersetzt, ist durchaus wohlschmeckend. Mit Tee und Kaffee kostet das übrigens alles zusammen knappe 12 Euro.

Gut Ding will Weile haben: das Gemüse-Omelett im Café Stolle.

Eine Preisklasse drüber liegt das Gosti, das unserem Hotel am nächsten liegt (ebenfalls in der kleinen Meerstraße Straße/Malaya Morskaya). In der Vitrine ist unübersehbar, dass hier begeisterte Konditoren am Werk sind. Die meisten Russen greifen denn auch zu Kuchen, Torten, süßen Stückle — auch das sieht alles super-lecker aus. Christine entscheidet sich für Kascha (englisch: Porridge), also Haferbrei mit Preiselbeer-Marmelade. Ich lasse mir Blini (Schwäbisch: Flädle), gefüllt mit Schinken und Käse, munden. Und weil´s Valentinstag ist, kredenzt das Haus als Geschenk zwei liebevoll dekorierte Zuckerherzen. Preis (inklusive großer Kanne Tee plus zwei Kaffee): rund 20 Euro. Wobei die Einrichtung aber wirklich außergewöhnlich schön und geschmackvoll ist und sich vom Durchschnitt weit abhebt).

Christine schmeckt das Kascha (Porridge/Haferbrei) im Gosti prima.

Zum Valentinstag gab´s im Gosti ein Zuckerherz.

In der Mitte der beiden liegt das Busche (auch hier vermute ich einem deutschen „Urvater“). Hier herrscht das pulsierendste Leben, subjektiv gibt es hier auch den größten Anteil an Russen (wobei ich mich bei den etwas älteren Frage, welcher Arbeit die denn nachgehen, wenn sie wie wir um 10 noch beim Frühst der sitzen können; manche telefonieren nebenher oder tippen ins iPad, es könnten also Geschäftsleute sein).

Hier wird erstmal nicht serviert, man muß zur Bestellung an die Theke. Christines Milchreis und mein Omelett mit Kirschtomaten und Spinat (dafür, dass ich eigentlich gar kein Omelett mag, wirklich gut) werden dann aber (anders als die Getränke) an den Tisch gebracht. Da das Busche über den ganzen Tag hinweg sehr gut besucht ist, ist es auch ideal für Zeitgenossen, die gern anderes Menschen beobachten.

Herausragend ist auch das Brotangebot — zu sowjetischen Zeiten wäre diese Vielfalt undenkbar gewesen. Und auch mir läuft, wenn ich an der stets von Einheimischen, die sich etwas mit nach Hause nehmen wollen, reich bevölkerten Verkaufstheke vorbei gehe, immer das Wasser im Munde zusammen. Das Preis-Niveau entspricht in etwa dem von Stolle: rund 12 Euro.

Die Verkaufstheke im Busche ist reich bestückt und stets umlagert.

Alle drei Alternativen in unserer Umgebung verdienen sch also recht gute Noten. Für passionierte Kaffeehausgänger muß indes etwas Wasser in den Wein (respektive den Kaffee) gegossen werden: Einen richtig guten Morgentrunk dieser Art hab ich bislang vergebens gesucht. Vom Kaffeehaus-Hocker hat mich keiner gerissen.

Mein Reiseführer-Tipp

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